„Der Mann ohne Eigenschaften“ ist nicht nur das Hauptwerk des Schriftstellers Robert Musil, sondern auch einer der bedeutendsten Romane in deutscher Sprache. Die Moral unserer Zeit ist, was immer sonst geredet werden möge, die der Leistung. Und sucht sie in allem außer sich! »Du bist ein Esel,« warf er ihm vor »wenn du dich nicht befugt glaubst, ihr von diesem Besuch ganz energisch abzuraten; wozu bist du denn Arzt? »Aber dann denkst du dir, daß ich ja doch ›nur dein Bruder‹ bin. Die Ziele sind kurz gesteckt; aber auch das Leben ist kurz, man gewinnt ihm so ein Maximum des Erreichens ab, und mehr braucht der Mensch nicht zu seinem Glück, denn was man erreicht, formt die Seele, während das, was man ohne Erfüllung will, sie nur verbiegt; für das Glück kommt es sehr wenig auf das an, was man will, sondern nur darauf, dass man es erreicht. Sie sei die von den War er wenigstens von dem überzeugt, was er da über die Möglichkeit und Bedeutung einer anderen Art zu leben dachte? Soliman, der noch keine sexuellen Erfahrungen mit Frauen hat, umwirbt Rachel. Diese Möglichkeit entsprach sehr ihren Neigungen und gab Ich bin einmal an Kaisers Geburtstag dort gewesen: nicht eine einzige Fahne hab ich in ganz Triest gesehn, außer auf der Statthalterei, der Steuerbehörde, dem Gefängnis und den paar Kaserndächern! Jahrhunderts. »Eine Umarmung zum Beispiel: du wirst im andern umarmt« dachte er. Dann fügte sie nachdenklich hinzu: »Ich werde ihn entführen, ich werde einen Skandal heraufbeschwören!« Ihr Ausdruck veränderte sich dabei zum Geheimnisvollen. An unseren eigenen Familien kannst du es heute schon beobachten: und zur Zeit unsrer Väter haben sie, weiß Gott, geglaubt, daß sie aus dem Himmel eine Universität machen werden!‹ »Na, ich denke, so in vierzehn Tagen« meinte der General. Wenn du es so ansehen willst, sind wir nichts als eine bürgerliche Ausschreitung. Aber: »Ich bin ein wenig tot« – dieses Gefühl hatte Agathe oft, und gerade in Augenblicken wie diesem, wo sie sich soeben erst der Wohlbildung und Gesundheit ihres jungen Leibs bewußt gewesen war, »Ist auch alles gleich« meinte Ulrich. Es scheint, daß manchmal das Frauengesicht mit zwölf Jahren fertig ist, auch seelisch wie von großen Meisterstrichen im ersten Entwurf geformt, so daß alles, was die Ausführung später hineinbringt, die ursprüngliche Größe nur verdirbt. Auch eine Einladung zu ihrem Bruder lehnt er ab. unreife Vorstufe eines Erwachsenen. Dieses Nebeneinander in einem Bett Liegen kam ihm jetzt höchst kindisch vor. Nervöse Menschen bedürfen einer gewissen Strenge.« Dann hatte er gestockt; ersichtlich war ihm etwas eingefallen, das ihn störte, und er hatte mit den beinahe unfreundlichen Worten geschlossen: »Selbst unter den alltäglichsten Verhältnissen der Liebe finden sich ja noch Spuren davon: in dem Reiz, der mit jeder Veränderung und Verkleidung verbunden ist, wie in der Bedeutung der Übereinstimmung und Ichwiederholung im anderen. Er wünschte sich, ihn männlich zu harpunieren und zappeln sehen zu können, und es lag darin ebensoviel Abneigung wie Verlangen. Vielleicht sogar nicht genügend gefestigte Eingeschlechtlichkeit, Mit Skiern kommt man nicht mehr hinauf und ohne Skier noch nicht« riet er ab, der das Gebirge kannte. welch eine maschinelle, rationale, menschenunkundige Auffassung! !« 1-123) von Musils "Mann ohne Eigenschaften" ungekürzt in 79 Teilen. Er ergreift Und mit einem Wort, Frau Professor Drangsal protegiert halt die These, daß der Mensch gut ist, und man sagt, das sei eine europäische These, und Feuermaul soll eine große Zukunft haben. Sie hatte die Hände an die Brüste gezogen und bedrohte Ulrich mit den Nägeln, während sie ihre langen Schenkel krampfhaft zupresste. Da er von alldem natürlich unterrichtet war, überwachte der rundliche Zweifler damit Ulrichs Wahrheitsliebe, und das Ergebnis befriedigte ihn. Der Graf antwortet sogleich mit einem Vorschlag: Die Deutschen beabsichtigen, das 30-jährige Regierungsjubiläums Kaiser Wilhelms II. Die beiden Tiere waren ihr vom Schicksal auf den Weg geschickt, als Zeichen, daß sie handeln müsse. Mortadella-Vergleich an bis zur unbewußten Verleitung der guten Strastil zu Geständnissen. Wieder einmal überblickte sie sich selbst und begriff sich kritisch. »Was sagen Sie zu der Arbeit von Koniatowski?« fragte sie Ulrich. und -breitziehen, worin sich fremde Menschen einander selbstgefällig und gefällig darstellen, widerte ihn, der es ohne Mitgefühl betrachtete, wie eine schwere, aus dem Leibesinneren emporstreichende Betäubung an. Leo Fischel lässt sich als „Direktor“ titulieren, ist aber eigentlich nur Prokurist der Lloyd-Bank. seine Einkünfte, je mehr er also in seiner irrigen Weise Gott dient, desto fader ist er den Leuten, und desto mehr schimpfen sie auf ihn. als er, sie traf das nicht und traute sich das nicht zu. »Das mußt du schon allein mit ihr ausmachen« gab er, ruhig aufblickend, zur Antwort und wandte sich wieder seiner Beschäftigung zu. Aber der dichtere Druck war auf Seiten Siegmunds, und Walter segelte vor dem Wind zu Clarisse hinüber, die er während dieses Gesprächs nicht aus den Augen gelassen hatte. Und plötzlich dachte Agathe völlig außerhalb des Geistes, worin sie diese Tage verbracht hatte: »Ob Und es sind wirklich Leute unter ihnen, die noch den Staat vor die Partei stellen, während die Bürgerlichen seit den letzten Wahlen schon völlig in ihren nationalen Gegensätzen radikalisiert sind. So war immer etwas an ihm, das über das ihr Zugängliche hinausreichte und das Verlangen wachhielt, sich mit dem ganzen Körper auf ihn zu werfen, um es zu fassen. Und immer wieder, Tag für Tag, faßte Ulrich alles in den Gedanken zusammen: Im Grunde ist es ein Protest gegen das Leben! Sein Schwager sah ihn zufrieden an. Vielleicht hatte er sie damit gekränkt. Nachdem Lucy mit ihrem Vater nach Spanien gereist war, schlich van Helmond sich nachts ins Zimmer seiner Tochter. »Kneppler wird sich darüber ärgern« meinte sie. Also wenn sie die Frau von Stein mit der vergleicht, so sieht mich der Arnheim dauernd an, als ob ich neben seiner Angebeteten gerade nur für so eine, wie du eben gesagt hast, gut wäre!« »Aber sie behauptet doch, es würden ihr Zeichen geschickt!« wandte nun der beharrliche Siegmund ein. Verhältnismäßig anteilslos gestand er sich ein, daß der Beziehung zwischen Agathe und ihm von Anfang an ein großes Maß an Asozialem beigemengt gewesen sei. Denn dazwischen kam ihm sein Vorhaben nun auch schon komisch vor, etwa so wie die Übereinkunft zweier alten Junggesellen zusammenzuziehn, und an solchen Zuckungen der Phantasie fühlte er, wie wenig die Vorstellung der dienenden Bruderliebe geeignet war, ihn zu erfüllen. In aller Welt hat der Geist des Rechnens und der Gewalt den Zusammenhang mit der Seele verloren; aber wir in Deutschland haben die meisten Kaufleute und das stärkste Militär.“ Er blickte entzückt rund um den Platz. »Ich habe gar nichts gegen die Juden« versicherte Graf Leinsdorf aus eigenem, als hätte Ulrich etwas gesagt, das diese Berichtigung erfordere. Verstehst du, ich höre da so viele Fremdworte, daß ich schon nicht mehr die einfachsten weiß! Besessenen dahin zu bringen, daß er von dem zu erzählen anfangt, was in ihm steckt: das ist auch nach der Kirchenlehre genau der Wendepunkt, wo sich der Teufel zum erstenmal anschickt auszufahren! Die Kleider fliegen mir auf den Leib, wenn ich so – wie soll ich das nennen? Die Empfindungen, die sie jetzt von ihrem Körper hatte, waren nicht unähnlich denen eines Kindes, dessen Trotz durch Prügel gebrochen worden ist. Ulrich sagte lachend: »Ich mag mich ja auch selbst nicht! Was ging da vor sich? Von mir behauptet sie, mein persönlicher Fehler sei es, daß ich in der Liebe zu sehr an einer »So?« sagte Siegmund und überlegte es. Und plötzlich, während er sich selbst mit einem Schwung in den Wagen klettern fühlte, sagte er zu sich: »Ich muß Agathe einprägen: Moral ist Zuordnung jedes Augenblickszustandes unseres Lebens zu einem Dauerzustand!« Dieser Satz war ihm in der Er wuchs als Hüterbub auf und wurde dann Zimmermannsgeselle. Als sich in Ulrich längere Zeit danach ein Widerstand fühlen Keineswegs! Mit einer Art Begierde öffnete sie das dicke Schreiben, das ihr Gatte an sie gerichtet hatte. Es ist – sie suchte nach einem Ausdruck dafür – wie gehäufte Dinge, die kein höheres Verlangen geordnet hat: unerfüllt in seiner Fülle, das Gegenteil von Einfachheit, bloß eine Verworrenheit, die man mit der Freude der Gewohnheit hinnimmt! »Begreifst du nicht, wie lebensungerecht solche großen, blendenden, ungemischten Forderungen sind!« rief er aus. Gemeinsam mit dem Hund teilen sie das Leben des Mannes!« Agathe gab diese Versicherung nicht etwa mit sittlicher Entrüstung ab. Nach der Beerdigung des Vaters fährt Ulrich nach Wien zurück. Die nachfolgende Inhaltsangabe und Zusammenfassung bezieht sich auf das Gesamtwerk Ödön von Horváths „Jugend ohne Gott“. Dieser Gedanke erschreckte sie. Sie ließ den Kopf zur Seite hängen und suchte nach etwas, das ihn überzeugen sollte. Clarisse hatte sich bisher davon eingeschüchtert gefühlt, daß sie sich nur weniges von dem, was in der Welt vorgehe, richtig zu erklären vermöge, aber seit der Wiederbegegnung mit Meingast sah sie sich gerade dadurch begünstigt, nach eigenem »Aber jeden Tag höre ich ja nichts als Sexualpraxis, geglückte Umarmung, springende Punkte der Liebe, Drüsen, Sekrete, verdrängte Wünsche, erotisches Training und Regulierung des Sexualtriebs! »Wenn ich ein Mann wäre, ich würde mir gar kein Gewissen daraus machen, mit den Frauen aufs unzuverlässigste umzugehn. gehandelt und konnte darum unbeschwerten Sinnes zustimmen. Jedenfalls ist es nicht nötig, daß man einen Menschen liebt. verwandelt. »Ich mag Frauen gar nicht!« Es sind Knaben und junge Männer! Beruht nicht das Geschäft auf List und Zwang, auf Übervorteilung und Ausnützung, nur sind diese zivilisiert, ganz in das Innere des Menschen verlegt, ja geradezu in das Aussehen seiner Freiheit gekleidet? Ulrich sagte: »Im Grunde ist es ein Protest gegen die Welt!« dabei zu leisten hat, ist, in Einklang mit ihnen zu handeln!« Aber gerade da hielten die mit Reißschiene und Zirkel geschaffenen Linien der rollenden Örtlichkeit, die ihn umschloß, an einer Stelle, wo sein Auge, aus dem Leib des modernen Verkehrsmittels kommend und an seiner Einrichtung unwillkürlich noch teilhabend, auf eine Steinsäule fiel, die seit der Zeit des Barock am Straßenrand stand, so daß die unbewußt aufgenommene technische Bequemlichkeit der vernünftigen Schöpfung plötzlich in Gegensatz zu der hereinbrechenden Leidenschaft der alten Gebärde geriet, die einem versteinten Leibschneiden nicht gar unähnlich sah. über sich oder seine Schilderung. ich ihr widersprochen, so wäre sie mir mit der Musik als Kronzeugnis gekommen!«), und wie das schon geschieht, dachte er teils in Worten, teils wirkte die Überlegung als wortloser Einwurf ins Bewußtsein hinein: wenn also die verständige Dr. Strastil fühlen gemacht werden wollte, so kam es auf das hinaus, was alle wollen, daß die Kunst den Menschen bewege, erschüttere, unterhalte, überrasche, ihn an edlen Gedanken schnuppern lasse oder, mit einem Wort, ihn eben wirklich etwas »erleben« mache und selbst »lebendig« oder ein »Erlebnis« sei. Ich habe nur sagen wollen: Das von allen erwartete Ereignis beginnt jetzt zu entstehn!« So wurde der Wandkalender mit der Zeit zu einer eiternden Wunde, die Hagauer bei jedem Blick daran erinnerte, wie lange seine Frau schon die Heimat meide. »Und was sagst du dazu,« fragte Walter weiter, ohne seiner Überlegenheit zu gedenken »daß sie behauptet, ihr würden Zeichen geschickt?« Ich würde sie auch nur aus Zerstreutheit und Staunen begehren!“ Die großbürgerliche wandelt sich zur Massengesellschaft. Zwar täuschen sich viele eine dringliche Lebensfreude vor, nach der Art, wie man die Volksschulkinder lehrt, munter durch die Blümelein zu springen, aber es ist immer eine Das Ergebnis faßte Ulrich aber vorderhand achselzuckend in die Worte zusammen: »Dem hohen Adel gefällt es, daß man uns die zusammengewachsenen Zwillinge nennt: er hat immer mehr Interesse für Menagerien gehabt als beispielsweise für Kunst.« Dann nannte er sie eine fleischfressende Pflanze und sich ein armes Kerbtier, das in ihren leuchtenden Kelch hineingekrochen sei. »Ob jetzt er die Blätter vom Kalender reißt, die sonst ich alle Morgen abgenommen habe?« Alles das hatte mit einemmal wieder etwas so unsinnig Übergegenwärtiges angenommen, als ob es nie sterben könnte, und sie sah mit stillem Grauen das wohlbekannte Gefühl der Einschüchterung in sich erwachen, das aus Gleichgültigkeit bestand, aus verlorenem Mut, aus Sättigung am Häßlichen und einem Zustand der eigenen unsicheren Hauchartigkeit. Er war nicht eifersüchtig – in welcher Eigenschaft hätte er es auch sein sollen?! Clarisse hasst es, wenn er Musik von Richard Wagner am Flügel spielt. gefährdete Anlage ihrer Natur als eine »Minusvariante«, die nie und nirgends den Problemen des Lebens tatkräftig und neuschaffend entgegentrete, wie es »heutige Zeit« von »ihren Menschen« verlange, sondern »durch eine Glasscheibe von der Wirklichkeit getrennt« in gewählter Selbstvereinsamung verharre, dauernd am Rande der pathologischen Gefahr. Das war keine Kleinigkeit! der Naturlaune, werden wir fortab gleich alt, gleich groß, gleichen Haares, in gleich gestreiften Kleidern und mit der gleichen Schleife unter dem Kinn durch die Gasse der Menschen wandeln; ich mache dich aber aufmerksam, daß sie uns halb gerührt und halb spöttisch nachblicken werden, wie es immer geschieht, wenn sie etwas an die Geheimnisse ihres Werdens erinnert.« den sittlichen Änderungswillen vermissen lassen und statt dessen lieber eine künstliche und phantastische Lösung gewählt!« Unsere Kunst? Sie drückt sich bloß aufgeregter aus als du« entschied er schließlich. Clarisse scharrte nachdenklich mit der Fußspitze im Kies. Es war Ulrich angenehm, daß ihm Agathe zugehört hatte, ohne ihn zu unterbrechen, denn er erwartete ebensowenig eine Antwort von ihr wie von sich selbst und war überzeugt, daß eine Antwort, wie er sie meine, gegenwärtig niemand geben könne. Und unvermutet abspringend dachte sie: »Es ist wie ein Haufen fremder Kinder, den man mit anerzogener Freundlichkeit betrachtet, voll wachsender Angst, weil es einem nicht gelingt, das eigene darunter zu erblicken!« Ja, vielleicht bin ich gerade von dieser Eifersucht zur Wissenschaft geführt worden, deren Gesetze man in Gemeinschaft sucht und auch nicht für unverbrüchlich ansieht!« Wieder hielt er ein und lachte Er schien sehr böse auf den Minister des Innern zu sein, und um ihn abzulenken, bemerkte Ulrich treuherzig, daß man doch wenigstens vom Besitz sagen könne, er sei heute außer in den Händen der Banken auch in den erprobten des Feudaladels. Denn Siegmund stand auf, klopfte sich die Knie sauber und gab seinem Schwager einen Rat. Sie konnte diese Musik nicht hören, aber alle Clowns sahen sie an. Ulrich zweifelt an mechanischen Erklärungsversuchen, in denen Gemütsbewegungen auf innere Ausscheidungen zurückgeführt werden: Kann man sich zum Beispiel vorstellen, dass der Mensch noch eine Seele haben wird, sobald er sie biologisch und psychologisch völlig zu begreifen und behandeln gelernt hat? »Doch!« versetzte Clarisse. arbeitsam erregten Stimmen und roch nach Sonne, die auf irdisches Allerlei scheint. Dieses Bedürfnis nach Eindeutigkeit, Wiederholbarkeit und Festigkeit, das die Voraussetzung für den Erfolg des Denkens und Planens bildet, – so dachte Arnheim, auf die Straße hinunterblickend, weiter – wird nun auf seelischem Gebiet immer durch eine Form der Gewalt befriedigt. Agathes letzter Gedanke vor dem Aufbruch war aber: »Würde Ulrich wirklich alles ins Feuer werfen?«. Als ihr Ulrich das erwiderte, zog es ihm abermals einen Kuß zu; diesmal schon etwas unter der Stirn. Du sagst nicht, was sie Du selbst warst eine!« sagte Ulrich. Er […] unterschied nur drei Arten von Menschen: Offiziere, Frauen und Zivilisten; letztere eine körperlich unterentwickelte, geistig verächtliche Klasse, der von den Offizieren die Frauen und Töchter abgejagt wurden. Kleinere verschleiern sie hinter brutaler körperlicher Anmaßung und mißbrauchen das Seelenleben der Frau: Agathe folgt ihm, wie vereinbart, ein paar Tage später und zieht zu ihm, erst einmal nur für die Dauer des Scheidungsverfahrens. Und vielleicht war es auch wirklich so. Begründungen die Grenzen des Erlaubten überschritten. So sprach Ulrich. »Das ist schon richtig« belehrte ihn Graf Leinsdorf. Ulrich hätte schwer zu sagen vermocht, welche Veränderungen sie anrichtete. – wenn ich eben so bin! Der Mann ohne Eigenschaften is therefore a torso, though a very substantial one – the author’s Nachlaß (posthumous papers) contains more than 10,000 pages of materials. Achseln über ihr Leben und wandte sich mit dem festen Willen wieder an ihr Bild, darin eine Stelle zu entdecken, wo ihre Erscheinung schon dem Alter nachgäbe. Auch darin lag etwas von dem schwebenden Genuß des Lebens, der manchmal wie ein Schreck ist, und das erste, wozu sich Agathe, nachdem sie sich flüchtig wieder angekleidet hatte, entschloß, führte sie in ihr Schlafzimmer, eine Kapsel zu suchen, die sich dort unter ihrem Gepäck befinden mußte. »Siehst du, ich habe noch nichts gewollt, ehe du gekommen bist« sagte Clarisse leise. Was Sie zum Beispiel das letzte Mal gesagt haben, als wir alle vor Ihrer Abreise bei Ihrer Kusine beisammen waren, daß wir eigentlich – wenn Sie sich erinnern – jetzt noch einen Hauptausschuß für die Seligkeit einsetzen müßten, damit sie sich mit unsrer irdischen Akkuratesse Er kannte aus Erfahrung die Kapriolen des Mannes so genau wie die vorsichtigere Liebestechnik der Frau, und wenn er Agathe dem ausgesetzt und das ausüben sah, so litt er; er glaubte den Bewerbungen von Pferden oder Mäusen beizuwohnen, das Schnauben und Zuwiehern, das Mundspitzen Er hatte die Augen geschlossen. Darüber vergaß er die gegenwärtige Bonadea, ohne daß er recht wußte wie, und hatte ihr, den Kopf auf den Arm gestützt und den Blick durch die Wände auf ferne Dinge gerichtet, nachdenklich den Rücken zugekehrt, als sie sich durch sein vollkommenes Schweigen bewogen fühlte, die Augen zu öffnen. Sondern es ist alles, was du berührst, bis an dein Innerstes verhältnismäßig erstarrt, sobald du es erreicht hast eine ›Persönlichkeit‹ zu sein, und übriggeblieben ist, umhüllt von einem durch und durch äußerlichen Sein, ein gespenstiger Nebelfaden der Selbstgewißheit und trüber Selbstliebe. entthronisiert werden. »Aber, um Himmelswillen,« rief Ulrich aus, den das Lachen schon bei der Vorstellung überwältigte, daß sich seine keusche Kusine in die »Sexualwissenschaft« verirrt habe »was will sie denn eigentlich?« dann geliebt werden kann, wenn sie nicht will. beschäftigungslose Lebendigkeit seiner Schwester prasselte in seiner Einsamkeit wie ein Feuerchen im kalt gewesenen Ofen. die Pforte des Orienthandels der ganzen Monarchie war und von dieser in jeder gedeihlichen Weise abhing, bloß als eine Privatangelegenheit ihrer Einwohner ansehen mochte, kam man nicht um die Tatsache herum, daß ihr zahlreiches slawisches Kleinbürgertum dem bevorzugten italienisch sprechenden Großbürgertum auf das leidenschaftlichste das Recht bestritt, die Stadt als seinen Besitz anzusehn. Es erregt mich eigentlich weit mehr, wenn ich es in einem Roman lese, wo es von einer Auffassung geschürzt ist; aber wenn ich es in seiner vollen Ausführlichkeit erleben soll, finde ich es immer schon veraltet und altmodisch-ausführlich und im Gedankengehalt überholt. Du weißt doch, wie beliebt alles im Bett ist, was mit Brüderlein und Schwesterlein zusammenhängt. höchst anmaßenden Kreis gefiel ihrem Bruder. In diesem Augenblick dachte er ahnungslos daran, daß er einmal auf einer Reise ausgestiegen sei, ohne an Es gab doch Erlebnisse gegipfelten Tuns! Tag, der die Umgebung kupplerisch geheimnisvoll entschleierte, hatte ihn vom Bahnhof fort zu einem Spaziergang verlockt, um ihn mit beginnender Nacht zu verlassen, wo er sich ohne Gepäck in einem stundenweit entfernten Ort vorfand. Schließlich ergreift sie die Initiative und nimmt ihn mit in ihre Kammer. »Aber sobald es heißt, daß wir germanisieren, sind die Slowenen sofort mit den Italienern verbündet, wenn sie sich sonst auch noch so wild in den Haaren liegen! Wir haben von dieser aufgeschwollenen Ideologie heute genug, die fast schon so lächerlich ist wie eine Gastrosophie. Betrachtungen der Gesellschaft am Vorabend des Ersten Weltkriegs widmet Robert Musil in dem Roman „Der Mann ohne Eigenschaften“ großen Raum. Am Haben sie es zustande gebracht? »Jedenfalls müssen wir uns darauf vorbereiten, unsere Pflicht zu tun!« sagte er. Priv.-Doz. !« antwortete Graf Leinsdorf mißvergnügt. Meingast blieb stehn und blickte zu Boden; man hätte ebensogut meinen können, daß er sein Ohr neige wie daß er ein Steinchen betrachte, das rechts vor ihm am Weg liege. Es ist eine Welt von Eigenschaften ohne Mann entstanden, von Erlebnissen ohne den, der sie erlebt, und es sieht beinahe aus, als ob im Idealfall der Mensch überhaupt nichts mehr privat erleben werde und die freundliche Schwere der persönlichen Verantwortung sich in ein Formelsystem von möglichen Bedeutungen auflösen solle. Man kann mit dem Verstand allein weder moralisch sein, noch Politik machen.